Verletzungen – der ungebetene Lehrer
- Christian Tambach

- 24. Juli 2025
- 1 Min. Lesezeit
Niemand lädt sie ein, niemand will sie haben – und doch tauchen sie irgendwann auf: Verletzungen. In meiner Arbeit mit Profi-Athleten, Künstlern und Menschen unter Höchstbelastung habe ich gelernt, Verletzungen nicht nur als Schicksalsschläge zu sehen, sondern als Lehrer. Als ungebetene, manchmal harte, aber oft sehr ehrliche Lehrer.
Eine Verletzung stoppt uns nicht nur körperlich, sie hält auch innerlich einen Spiegel vor.
Sie zwingt uns, hinzusehen: auf übersehene Schwächen, auf ignorierte Warnsignale, auf blinde Flecken in unserem Training, unserem Lebensstil oder sogar in unserer inneren Haltung. Oft sind es gerade diese Zwangspausen, die Fragen aufwerfen, für die im Alltag sonst kein Raum ist:
Wo stehe ich wirklich? Wo habe ich übertrieben? Was habe ich verdrängt?
Natürlich: Im ersten Moment überwiegt der Schmerz. Der Verlust der gewohnten Leistungsfähigkeit, der Druck von außen, die Angst vor dem, was kommen könnte.
Ich habe viele Sportler erlebt, die in solchen Momenten innerlich kämpfen – mit sich selbst, mit ihrem Umfeld, mit ihrer eigenen Identität. Und doch ist genau hier oft der Wendepunkt möglich: Die Chance, den Körper nicht nur als Werkzeug zu sehen, sondern als Partner.
Die Chance, mentale Muster zu erkennen, die nicht mehr dienlich sind.
Die Chance, die eigene Geschichte neu zu schreiben.
Verletzungen sind unbequem. Aber sie tragen auch das Potenzial für ein tieferes, bewussteres Wachstum in sich – körperlich, mental und emotional.
Mein Impuls aus all den Jahren an der Seite von Athleten: Wer bereit ist, nicht nur zu heilen, sondern wirklich zu lernen, wird oft stärker zurückkehren als zuvor.
Nicht trotz der Verletzung – sondern wegen ihr.




