Zwischen Einzelkämpfer und Teamplayer – Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Betreuung
- Christian Tambach

- 24. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
In meiner täglichen Arbeit darf ich sowohl Einzelsportler als auch Mannschaftssportler auf höchstem Niveau begleiten. Auf den ersten Blick könnten die Welten kaum unterschiedlicher sein: Hier der individuelle Fokus eines einzelnen Athleten, dort die komplexe Dynamik eines ganzen Teams. Doch je tiefer man eintaucht, desto mehr erkennt man:
Es gibt entscheidende Unterschiede – aber auch überraschende Gemeinsamkeiten.
Die Betreuung eines Einzelsportlers ist in vieler Hinsicht intensiver und individueller.
Alles richtet sich nach seinem Rhythmus, seinen Stärken, seinen Bedürfnissen.
Jede Trainingseinheit, jede therapeutische Behandlung, jedes mentale Coaching ist maßgeschneidert. Der direkte Draht, die tiefe Vertrauensbasis und die Möglichkeit, sehr fein auf körperliche und emotionale Zustände einzugehen, machen diese Arbeit besonders persönlich. Gleichzeitig bedeutet es aber auch: Der gesamte Fokus liegt auf diesem einen Menschen. Er erlebt Erfolge und Rückschläge unmittelbar, oft ohne den „Puffer“ eines Teams. Mentale Stabilität, Eigenverantwortung und die Fähigkeit, sich selbst immer wieder neu zu motivieren, sind hier entscheidend.
Im Mannschaftssport, speziell im Bundesliga-Fußball, sieht die Situation anders aus.
Hier geht es darum, individuelle Betreuung in ein großes Ganzes einzufügen.
Jeder Spieler bringt eigene Voraussetzungen, Verletzungshistorien und mentale Themen mit – aber der Erfolg wird als Team gemessen. Die Herausforderung besteht darin, jedem gerecht zu werden, ohne dabei die Gruppendynamik aus dem Blick zu verlieren.
Vertrauen spielt auch hier eine zentrale Rolle, doch oft ist es verteilt auf viele Gespräche, kurze Interventionen und eine ständige Balance zwischen Nähe und professioneller Distanz.
Was beide Welten verbindet, ist der Kern meiner Arbeit: den Menschen hinter der Leistung zu sehen.
Ob Einzelsportler oder Mannschaftsmitglied – jeder Athlet trägt Hoffnungen, Ängste, Ambitionen und Zweifel in sich. Jeder Körper spricht seine eigene Sprache, und jeder Mensch braucht Raum, um sich auf höchstem Niveau entfalten zu können.
Am Ende bleibt für mich die Erkenntnis:
Die Arbeit mit einem Einzelsportler ist wie das Feintuning eines Instruments.
Die Arbeit mit einer Mannschaft ist wie das Dirigieren eines ganzen Orchesters.
In beiden Fällen aber geht es darum, die richtige Schwingung zu finden – körperlich, mental und vor allem menschlich.
MOVE FORWARD.




